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Crinoiden aus dem Unteren Muschelkalk des Pennickentals bei Jena-Wöllnitz

Im Pennickental (Bereich Diebeskrippe/Fränkelsgrund) wurden in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Funde von mehr oder minder artikulierten Crinoiden-Fossilien gemacht. Im Folgenden werden einige besondere Funde aus diesem Bereich vorgestellt. Eine Publikation zu diesen Funden ist erschienen, siehe unten (Literatur).

Bild 1: <em>Encrinus brahli</em> - Kronenteile, Stielglieder und HaftscheibenBild 2: <em>Encrinus brahli</em> - Kronenteile, Stielglieder und HaftscheibenBild 3: Kronenrest von <em>Encrinus brahli</em>

 

Fundort der Seelilienfragmente: Pennickental - Fränkelsgrund (Jena)

Hierbei handelt es sich um zwei Teilstücke eines Fundes vom Sommer 2001, der bis jetzt aus 4 Teilen besteht. Leider konnte noch nicht der primäre Fundort dieser Fossilfundstelle in der Steinbruchwand ausfindig gemacht werden (vermutlich Oolithbank a des mu). Nach neuerer Sichtung des Fundes handelt es sich um ein härteres Geröll (Hartgrund), das von einer jungen Kolonie von Encrinus sp. bewachsen ist (Bilder 1 und 2) - freundliche Mitteilungen Stefan Weiland (Trias Verein) und Sichtung durch Herrn Dipl.-Geol. Matthias Henniger (Geol.-Paläontol. Sammlung der Universität Leipzig). Dieser Fossilfund ist für den Jenaer Muschelkalk sehr bemerkenswert! Genauere Untersuchungen und Veröffentlichungen zu diesem Fund sind geplant.

Weitere Bilder dieses Fundes (alle Fotos M. Henniger):

Bild 4aBild 4bBild 4cBild 4dBild 4e

Der Kronenrest (Bild 3) stammt aus dem Jahre 1976 vom gleichen Fundpunkt und stellt meinen ersten Encrinusfund im Jenaer Raum dar. Es handelt sich dabei auch um die Seelilieart Encrinus brahli.

Zwei für den Jenaer Raum geradezu sensationelle Neufunde von nahezu vollständigen Seelilien gelangen Thomas Billert im Fundgebiet Pennickental/Diebeskrippe im März 2012. Sie wurden unweit der 2001 im Fränkelsgrund gefundenen Stücke (s. oben) geborgen. Es handelt sich um zwei Platten mit Kelchen von Seelilien aus dem Unteren Muschelkalk (ca. 4 Meter unter Oolithbank alpha). Die Lilien wurden von Dr. Hans Hagdorn, Muschelkalkmuseum Ingelfingen, als Encrinus aculeatus bestimmt.

Die Bilder unten zeigen den ersten Fund, eine Platte mit zwei Seelilienkelchen. Das linke Bild zeigt den Muschelkalkblock mit den darin enthaltenen Kronen der Crinoiden im Fundzustand. Auf den folgenden Bildern sieht man das Ergebnis nach der Freilegung und Präparation. Die große Krone weist Cirren an den ersten Nodalgliedern unter dem Kelch auf, welche in etwa eine Länge von 1/3 des Kelches haben. Da die Länge der Cirren abnimmt, je jünger die Fundschicht ist (Encriniden aus der Terebratelbank tragen keine Cirren mehr, während Lilien aus dem basalen Unteren Muschelkalk Cirren tragen, die durchaus Kronenlänge erreichen können), korreliert bei diesen Funden die Cirrenlänge gut mit dem Fundhorizont im oberen Wellenkalk 1 (persönl. Mitteilung von Manfred Schulz, Großenlüder).

Die Lilien liegen in einer Konglomeratbank, die einem Hartgrund aufsaß. Diese Konglomeratbank weist darauf hin, dass hier offenbar ein Verschüttungsereignis stattgefunden hat, welches zum Tod und zur schnellen Einbettung der Tiere führte. Evtl. erklärt dieser Verschüttungshorizont die für den Jenaer Raum relative Häufigkeit artikulierter Crinoidenfunde in diesem Gebiet.

Die Präparation erfolgte durch Thomas Billert (Klebung, KOH, Rewoquad) und final durch Sebastian Brandt (Kornhochheim) mittels Druckluftstichel und nochmaliges Ätzen mit KOH. Die Platte wurde von der Fossilien-Community Steinkern.de zum Fossil des Monats Dezember 2012 gewählt.

Crinoidenblock vor der Präparation Crinoidenblock nach FreilegungDetail der Kronen Detail der Kronen (vergrößert)


isolierte Krone vergrößert

isolierte Krone

 

Eine weitere isolierte Krone aus dem gleichen Fundgebiet sieht man auf den Bildern rechts. Das Fossil wurde in zwei Teilen geborgen und war nur im Querbruch zu erkennen. Die Klebung und Präparation wurde wiederum von Sebastian Brandt (Kornhochheim) mittels Druckluftstichel und KOH ausgeführt. Die isolierte Krone zeigt feine Details wie Cirren und Pinnulae an den Armen und weist eine herrliche rotviolette Fringelit-Färbung auf.

Auch bei diesem Fund war im Querbruch des Stücks deutlich eine Konglomeratlage zu erkennen, die einer harten Kalkbank aufsaß. Hier trägt allerdings die harte Bank das Fossil, im Gegensatz zum oben gezeigten Stück.

Literatur

T. Billert u. C. Linde: Crinoiden aus dem Unteren Muschelkalk bei Jena, Der Steinkern, Heft 16 (1/2014), S. 54-67 (mehr dazu hier)