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Das östliche Ende der Coppanz-Lichtenhainer Störung (Blatt Jena)

In den Erläuterungen zum Blatt Jena wird diese Störung mehrfach erwähnt. Deutlich tritt sie im Bereich der Teufelslöcher im Stadtgebiet von Jena in Erscheinung, wo sie Chirotheriensandstein (Sollingsandstein) gegen Salinarröt um ca. 20 m versetzt. Weiter östlich sind durch Bebauung und Bedeckung keine Aufschlüsse in der Fortsetzung dieser Störung mehr zu beobachten gewesen. Im Sommer 1997 konnte ich am Südhang des Hausberges in einer Baugrube für ein Einfamilienhaus am Grillparzerweg bemerkenswerte kleinräumige Verwerfungen in der Pelitröt Folge (Grauer Röt) beobachten. Diese Störungen beweisen mit Sicherheit eine nordöstliche Fortsetzung dieser Störung bis ins Ziegenhainer Tal. Weiter östlich im Bereich des Hausberges (Wellenkalk-Folge) verlieren sich die Störungen dann vollständig. Folgendes Profil war in der Baugrube aufgeschlossen:

Hangendes: Hangschutt
0,60 m Mergelstein graugrün und Hangschutt
0,80 m Sandstein, rotbraun (obere rote Sandsteinschiefer)
0,90 m Mergelstein graugrün
0,25 m Dolomit (Muschelbrekzie)
0,20 m Mergelstein, grau
0,10 m Feinsandstein, violettbraun
0,60 m Mergelstein graugrün
0,10 m Feinsandstein, violettbraun
0,50 m Mergelstein graugrün
0,20 m grauer, geschieferter Feinsandstein mit Knochenresten (Sauriersandstein)
Liegendes: grüner Mergelstein

Am östlichen Rand der Baugrube fiel zunächst eine starkes Einfallen der Schichten nach Süden auf, das sich im weitern Verlauf in staffelförmige Verwerfungen mit geringen Verwerfungsbeträgen fortsetzte (siehe Bild 1 und 2). Solche kleintektonische Absenkungen wurden auch an der südlichen Wand des Aufschlusses beobachtet. Eine in der Baugrube aufgeschlossene Dolomitbank (Muschelbrekzie) mit den deutlich durch ihren Farbwechsel erkennbaren hangenden oberen roten Sandsteinschiefern erleichterten das Erkennen der Verwerfungen im Aufschluß (siehe Bild 1 und 2). Durch ein an der Südseite der Baugrube zu beobachtendes Einfallen der Schichtenfolge nach Osten, war der Sauriersandstein nur in der nordwestlichen Ecke der Baugrube aufgeschlossen (siehe Bild 3). Harnischflächen im Bereich der Dolomitbank sowie an den Störungen verschleppte "Schuttfahnen" belegten eindrucksvoll das gestörte Profil in der Baugrube. Durch Fossilfunde konnte die Schichtfolge stratigraphisch genau eingeordnet werden. Bedingt durch ein rasches Voranschreiten des Baugeschehens konnten kurze Zeit später keine genaueren Messungen mehr durchgeführt werden.
Eine weitere kleinere Baugrube (Grillparzerweg 5 nicht 7!) in diesem Bereich zeigte im April und Oktober 2002 ein ähnlich steilgestelltes Schichtpaket wie auf Bild 1. Auch hier war die Muschelbreccie aufgeschlossen (s. Bild 4 nicht Tenuisbank, gilt auch für Bild 6).An der Südseite dieser Baugrube konnte man im Oktober 2002 eine sattelförmige Aufwölbung in der bunten Mergelsteinfolge beobachten (Bild 5).

Bild 1: Ostwand der Baugrube Grillparzerweg 9 mit steilgestellen Mergelsteinen und Muschelbrekzie der Pelitrötfolge Bild 2: Staffelbruch an der Südwand Grillparzerweg 9


Bild 3: Südwand des Aufschlusses Grillparzerweg 9.<br />rot: obere rote Sandsteinschiefer, blau: Muschelbrekzie, violett: verm. untere rote Sandsteinschiefer, gelb: SauriersandsteinBild 4: Muschelbreccie in Steilstellung mit "Schuttfahne" (Nr. 5 nicht 7)
 

Bild 5: Südwand der Baugrube Grillparzerweg 5 mit sattelförmiger Aufwölbung von grünen Mergelsteinenmit den darüberliegenden unteren roten SandsteinschiefernBild 6: Gleicher Aufschluss wie Bild 4 (Zustand Ende Oktober 2002)


Bild 6a: steilstehende graue Mergelsteine mit Dolomitbank (unten) in einer Baugrube am Grillparzerweg (Aufn. C. Linde 13.10.2007)     

Im Oktober 2007 gab es wieder einen Aufschluss in diesem Bereich. In einer leider bereits mit Planen überdeckten großen Baugrube für ein Mehrfamilienhaus gegenüber Haus Nr. 10 konnten nach Osten hin einfallende Schichten des grauen Röts (Pelitrötfolge) mir einer Dolomitbank (verm. Rhizocoralliumbank) festgestellt werden. Am linken Ende waren die oberen roten Sandsteinschiefer aufgeschlossen.

Sensationeller Neuaufschluss im Pelitröt (grauer Röt des oberen Buntsandsteins) der Coppanz - Lichtenhainer Störung in Verlängerung rechts hangabwärts der Baugrube von 1997 in einer neuen Baugrube im Grundstück Grillparzerweg 4 im November 2011 :

NO Ecke Grillparzerweg 4 SO Ecke Grillparzerweg 4

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

Links: NO-Ecke mit unteren(?) roten Sandsteinschiefern und darüberliegender Muschelbreccie (?), staffelförmige Verwerfungen in der Ecke, im Liegenden grau/grüne Mergelsteine aufgesattelt, vermutlich Sauriersandstein (Ostseite)

Rechts:  SO-Ecke mit Verwerfung (markiert) im Liegenden der unteren roten Sandsteinschiefer erkennt man eine geringmächtige Sandsteinbank (Sauriersandstein?)

Analoge Verwerfungsstrukturen im Bereich der oberen roten Sandsteinschiefer konnte man in der Baugrube von 1997 beobachten (Haus im Hintergrund Bildmitte, Bild  links).

 

Nachfolgend die ausführlichere Beschreibung des temporären Aufschlusses:

Temporäre Aufschlüsse am Grillparzerweg in Jena-Ost (Blatt 5035 Jena)

Im November 2011 konnte wieder ein Aufschluss im Bereich der Lichtenhainer Störung am Grillparzerweg beobachtet werden. In einer temporären Baugrube wurden gestörte Schichten der Pelitrötfolge beobachtet. Solche Störungen fielen schon im Jahre 1997 in einer oberhalb des neuen Aufschlusses gelegenen Baugrube auf. Damals konnte bewiesen werden, dass die Coppanz - Lichtenhainer Störung weiter noch Nordosten verläuft, als auf der geologischen Karte Blatt Jena (1928) eingezeichnet war. In der neuen Baugrube am Grillparzerweg wurden erneut staffelförmige Verwerfungen im Bereich der unteren roten Sandsteinschiefer beobachtet. Weiterhin finden sich kleinräumige Verwerfungen in der Südostecke der Baugrube. Die Bilder zeigen in der NO-Ecke die unteren roten Sandsteinschiefer und die darüber liegende Muschelbrekzie. An der Südwand sieht man deutlich die staffelförmigen Verwerfungen durch die Farbunterschiede der Mergelsteine. Darunter kamen im Liegenden grau/grüne Mergelsteine etwas aufgesattelt zum Vorschein Es handelt sich dabei vermutlich um den Sauriersandstein der Pelitrötfolge.

Auf dem zweiten Bild erkennt man in der  SO-Ecke der Baugrube eine Verwerfung (markiert), die oben durch die unteren roten Sandsteinschiefer und unten durch den Sauriersandstein mit einem Verwerfungsbetrag von etwa 70 cm verläuft.

April 2012: Temporärer Aufschluss Grillparzerweg 13

In der Nordwestecke der Baugrube scheinen die Schichten der Pelitrötfolge (Mittlerer Röt -Mittlere Bunte Folge) sich aufzubiegen. Das deutet auf dem nahen Rand der in den benachbarten Baugruben festgestellten Störung hin. Über der Aufbiegung bemerkt man eine Rutschungsmasse an der helleren gelben Färbung (Muschelkalkschutt?).

 

Literatur:

  • C. Linde (2000) Temporärer Aufschluß am östlichen Ende der Coppanz-Lichtenhainer Störung (Blatt 5035 Jena) in Mitteilungsblatt des Thüringischen Geologischen Vereins e. V. 2/00 (mit 2 Abb.)
  • C. Linde (2012) Zweiter Temporärer Aufschluß am östlichen Ende der Coppanz-Lichtenhainer Störung (Blatt 5035 Jena) in Mitteilungsblatt des Thüringischen Geologischen Vereins e. V.  1/12 (mit 2 Abb.)