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Der Gletscherstein bei Ruttersdorf - 10 Jahre Markierung und Restaurierung

Foto: Mitarbeiter der GfUA beim Aufstellen eines Wegweisers am Gletscherstein

 

Im Jahre 1997 wurden von mir Bemühungen unternommen einen längst in Vergessenheit geratenen Zugangsweg zum Naturdenkmal "Gletscherstein bei Ruttersdorf"/Blatt Stadtroda, vom Tal aus neu zu markieren und einen weiteren neuen Zugangsweg von oben her zu markieren. Dabei versuchte ich die alte Erläuterungstafel zu entziffern und zu restaurieren. Die Presse informierte damals sogar über diese Projekt, dass dann mit Hilfe von ABM realisiert werden konnte (Bild rechts).

Wanderwege zum Gletscherstein (OTZ Stadtroda 19. Juni 1997)

Der Gletscherstein bei Ruttersdorf ist ein Endmoränenrest der Elstereiszeit. Dieser Felsen liegt versteckt in einem dichten Waldstück nördlich von Ruttersdorf. Vor Jahrzehnten wurde ein Wanderpfad dorthin von Heimatfreunden unter Anleitung von Herrn Bocklisch aus Ruttersdorf angelegt. Eine heute nicht mehr zu entziffernde Erklärungstafel an dem Felsen und einige Wegemarkierungen erinnerten dann in der Folgezeit an dieses eindrucksvolle Geologische Naturdenkmal (Geotop). Nach einer Konzeption zur Erneuerung von Markierungen und Erläuterungstafel wurden nun durch Mitarbeiter der Gesellschaft für Umwelt und Arbeit (Stadtroda) vor einigen  Wochen die Wanderwege zu dem bisher schwer auffindbaren Gletscherstein bei Ruttersdorf  nach vorheriger Absprache mit dem Amt für Naturschutz und Landschaftspflege (Eisenberg) mit Wegweisern versehen. Ein weißes Quadrat mit blauem G weist nun den Wanderer ab "Kugeleiche" und Lootschen (Gartenanlage) sicher den Weg dorthin. In AB-Maßnahmen, welche von dieser Gesellschaft besonders im Natur- und Umweltbereich durchgeführt werden, finden zur Zeit 5 Arbeitslose eine, leider nur befristete Tätigkeit. "Arbeit gibt es genug", erklärte die Leiterin dieser Gruppe, Frau Feyertag. "Die Arbeit in der Natur ist sehr interessant und auch gesund, da man ständig an der frischen Luft ist". Das ist die einhellige Meinung aller Teilnehmer. Leider mussten die Mitarbeiter dieser ABM gerade in letzter Zeit immer wieder feststellen, dass illegale Müllablagerungen in den Wäldern und an Wanderwegen immer mehr zunehmen. Solche Leute müssten, sollte man sie erwischen, viel mehr zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden.

C. Linde

 

Nach gut 10 Jahren sind noch zwei Wegweiser in unmittelbarer Nähe des Geotops erhalten. Ein weiterer fand sich total vermodert und umgefallen zwischen Windbruch von Kyrill am Zusammentreffen der beiden Zugangswege. An dieser Stelle ist der Weg auch durch umgestürzte Bäume blockiert. Die Markierungen an den Bäumen sind erstaunlicherweise teilweise noch erhalten. Die Tafel am Gletscherstein und eine kleine Hinweistafel unter der Eule beginnen langsam zu zerfallen. (Stand 9/2007).

Neben einem älteren Wegweiser an einem Baum ("Eiszeitstein") existiert in unmittelbarer Nähe des Gletschersteins (im Hintergrund) noch ein Wegweiser mit Pfahl aus dem Jahr 1997. Er wurde später mit Holzpfählen am Fuß abgestützt.

Durch Windbruch blockierter Zugangspfad am Zusammentreffen beider Zugangspfade.

Diese Hinweistafel unter der Naturschutzeule aus dem Jahr 1997 zerfällt langsam.

Auch die 1997 restaurierte Erläuterungstafel aus den 70iger Jahren (Bocklisch) beginnt von oben her zu vermodern. Trotzdem ist sie noch recht gut lesbar.

Ein noch gut erhaltenes Symbol an einer Kiefer kurz hinter dem kleinen Tal mit den Fuchsbauen.  Mit dem Größenwachstum einer Fichte wurde das Symbol auch in die "Länge gezogen" (nahe Gletscherstein).
Hier wäre bald Handlungsbedarf angesagt!


Nachfolgend meine Planungen und Überlegungen aus dem Jahr 1997

Erneuerung der Erläuterungstafel am FND "Gletscherstein" und Neumarkierung der Zugangswege von Ruttersdorf/Lotschen (Bungalowsiedlung) und von der "Kugeleiche" aus. 

Material:

  • 5 Pfähle
  • 7 Hinweisschilder
  • 2 Tafeln (1 Erläuterungstafel u. 1 Hinweisschild)

Standorte:

  • 1 Pfahl an der Forststraße: Zum "Gletscherstein" 800 m
  • 1 Pfahl am Pfadabzweig zur "Kugeleiche" "Gletscherstein" 200 m beiderseitiger Hinweis (Rückseite nur Symbol)
  • 1 Pfahl unmittelbar am Eingang zum FND: Zum " Gletscherstein"
  • 1 Pfahl am Wegabzweig in der Gartenanlage: "Gletscherstein" 1,3 km (weiß mit blauem G)  "Kugeleiche" 1,5 km (grün)
  • 1 Pfahl an der Kugeleiche am Weg mit Hinweis "Gletscherstein" 600 m
  • die Markierung an geeigneten Bäumen unter teilweiser Verwendung der ehem. Markierung erfolgt ab Wegabzweig Gartenanlage bzw. ab "Kugeleiche" (hier Neumarkierung).
  • Die Erläuterungstafel am alten Standort, das Hinweisschild am vorhandenen ND-Pfahl.

Es ist notwendig den Pfad teilweise freizuschneiden und umgestürzte Bäume wegzuräumen. Ein kleiner Wegeabschnitt im Bereich einer kleinen Schlucht mit Fuchsbauen und in Querung eines ehemaligen Hohlweges (von der "Kugeleiche" aus) müßte ausgebaut werden (Abtragen von Erde). Der Weg bis zur Waldkante (von der "Kugeleiche" aus) müsste von Unkraut befreit werden. Diese Arbeiten würde eine "Gesellschaft für Umwelt und Arbeit"- ABM (Stadtroda) durchführen. Die Wegweiser und Erläuterungstafeln sind angefertigt (Eigenanfertigung). Die Erläuterungstafeln wurden bereits angebracht.

Wegesymbol:  weißes Quadrat mit blauem G

Ich versuchte den unleserlichen Text, der vermutlich auf Initiative eines Lehrers aus Ruttersdorf (Herr Bocklisch) in den sechziger Jahren angefertigt wurde, zu entziffern und anschließend die Tafel zu restaurieren. Für die Restaurierungszeit wurde eine Behelfstafel am Gletscherstein angebracht.

Erläuterungstafel: Gletscherstein (nach Bocklisch 1960?)

alter Text (teilweise unleserlich und nach Restaurierung ergänzt):

linke Spalte:

NATURDENKMAL GLETSCHERSTEIN

Das ist (?) ein Endmoränenrest der Elstereiszeit ((?) 200000 Jahren) und markiert den Südrand (Eisgrenze) des Inlandeises.(?) ...unleserlich ?! (Eiszeit) dreimal vom Norden her nach Süden vordrang und...
unleserlich ?! (Warmzeit)...? Inlandeises, als das Eis (Eiszeit) ...? und sich wieder zurückzog (Warmzeit) ? 

rechte Spalte:

(EISZEITSTEINE)

Vom Gletscher mitgeführte Steine, Kiese, Sande verschiedener Herkunft wurden vom Schmelzwasser gewaschen und vom Druck des Eises gepreßt. Felsige Moränen blieben zurück. Die Mineralien wurden früher zum Bauen genutzt und abgebaut (seit 1940 unter Naturschutz).

Schließlich entstand daraus ein neuer Text:

Übergangstafel mit Text

FLÄCHENNATURDENKMAL  (GEOTOP)  "GLETSCHERSTEIN"

Dieser Felsvorsprung ist ein Endmoränenrest der Elstereiszeit (vor etwa 200000 Jahren entstanden)  und markiert den Südrand des Inlandeises bis in den Saale-Holzland-Kreis. Vom Gletscher mitgeführte Gerölle (überwiegend Quarze und Buntsandstein) und Sande wurden vom Schmelzwasser gewaschen, vom Druck des Eises gepresst, gestaucht und anschließend mit einer karbonatischen Lösung als Konglomerat verbacken. Dieser Moränenrest blieb auf Grund seiner Härte in der ehemaligen Kiesgrube erhalten. An den Felswänden haben sich Streifenfarne und Mauerrauten angesiedelt. Der Aufschluß steht seit 1940 unter Naturschutz.

(Text: nach alter Tafel erneuert und ergänzt von C. Linde 1997)

 

1997 restaurierte alte Tafel

Naturdenkmalsschild und Hinweisschild

 

Alle Bilder C. Linde 9/2006

Detailausschnitte aus dem ND "Gletscherstein" oder "Eiszeitstein" (Geotop)

Detailausschnitte aus dem ND "Gletscherstein" oder "Eiszeitstein" (Geotop)

 

 

 

 

 



Gesamtansicht der neuen Tafel mit NaturschutzeuleNeue Tafel am Gletscherstein 2009

Laut Hinweisen von Herrn G. Bose (s. Literatur) ist die Tafel 2009 erneuert worden. Der Autor beschreibt den Zugangsweg mit Hilfe meiner 1997 an den Bäumen angebrachten Symbole. Eine Abbildung in diesem Buch zeigt den Zustand des Gletscherfelsens im Frühsommer 2009 mit kleiner (neuer!) Tafel.

(Fotos C. Linde 6/2009)

Eine Nachschau bestätige das: Der Text wurde weitgehend von der alten Tafel und von meiner Tafel, die unterhalb der Naturschutzeule angebracht war (s. Bild oben), übernommen. Lediglich am Ende des Textes findet man kleinere Ergänzungen.

In einer neueren Literatur (s. unten 2010) wird auf meine Markierung von damals hingewiesen: S 112 oben: ...Der Weg führt durch einen dunklen Fichtenwald; er ist mit einem blauen "G" auf weißem Schild gekennzeichnet. Es finden sich aber erfahrungsgemäß keine Hinweise das dieses "G" auf meine Initiative damals zurückgeht. Ebenso findet man in dieser Literatur keine Quellenhinweise in diese Richtung, obwohl das zumindest einem der Autoren vorher bekannt war!

Literaturhinweise

  • HIEKEL,W. (1986): Die Flächennaturdenkmale des Kreises Stadtroda: 2 "Gletscherstein bei Ruttersdorf ", S.139/140, Gera
  • LINDE,C. (1988): Gemeinsame Exkursion der Fachgruppen Jena und Leipzig Fundgrube XXIV. H.4 S. 122-123, Berlin
  • LINDE, C. (1995): "Der Gletscherstein bei Ruttersdorf" Kreisrundschau (Saale-Holzland-Information/Novemberheft) S.19,1 Abb.; Jena.
  • BOSE, G. (2009): Wandern um Jena - Thüringer Holzland "Zwischen Gletscherstein und Zeitzgrund", S.62-63 mit 2 Abb.
  • RODE, STRACKE, WEIß (2010): Naturwanderungen um Jena, Band 3, Buntsandsteingebiet um Stadtroda:" Zwischen Wachtelberg und Gletscherstein", S. 112-113, 1 Abb; Bürgel
  • FRIEDEL, H.(1991): Landschaft zwischen Saale und Elster, S. 66 "Zippelteiche, Ruttersdorfer Gletscherfelsen und Borntal" Saale - Verlag Jena Heinz-Joachim Petzold

(Stand 24.01.2011)