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Karl Brauckmann (1862-1938)

Karl Brauckmann (1862-1938)

 

Karl Brauckmann (* 30. November 1862, Hengsen, † 28. März 1938, Jena) hat sich als Sonderpädagoge für Ausbildung und Rehabilitation von behinderten Kindern eingesetzt.

Seine Schulzeit absolvierte er in Opherdicke und Holzwickede. In Soest wurde er zum Lehrer ausgebildet. In Soest arbeitete er anschließend acht Jahre mit taubstummen Schülern. Sein Ziel wurde es, eigene Schulen für Kinder einzurichten, die einer besonderen Förderung bedurften. Danach führte ihn sein Weg nach Jena, wo er studierte und anschließend Hochschullehrer wurde. 1894 gründete er in Jena die erste Sonderschule für taubstumme oder schwerhörige Kinder am Fuchsturmweg Nr. 13 nahe seiner ersten Wohnung in Jena.

Zwei nachfolgende Erinnerungsbeiträge von seinen damaligen taubstummen Schülern sollen zeigen, wie beliebt Karl Brauckmann als Lehrer war:
 David Ludwig Bloch: "Es waren damals ganz schlechte Zeiten. Es war der 1. Weltkrieg. Es gab nichts zu essen, wir hatten keine Butter, keine Milch, keine Äpfel oder Bananen, kein Eis, keine Plätzchen. Wir haben einfach gelebt und waren traurig, schwermütig. Es war gerade für Kinder nicht leicht. Wie im Gefängnis. Deshalb war ich froh, als nach 8 Jahren die Schule vorbei war. Ich kam dann nach Jena. Dort hatte ich einen Privatlehrer namens Brauckmann. Es war ein Glück, so einen Lehrer wie ihn zu finden. Er war der beste Lehrer meines Lebens. Ich bin ihm heute noch dankbar. Das dauerte zwei Jahre, und danach fand ich eine Stelle als Porzellanmalerlehrling." (1992)  

*Naimi Päiwio aus Paimio (Finnland): Das große Erlebnis einer Schwerhörigen: "Ich war in Jena - und froh und glücklich versuche ich nun im Sinne meines großen, hochverehrten Lehrers, des Herrn Direktor BRAUCKMANN, für Gehörleidende hier im hohen Norden zu wirken... Endlich einige Brauckmann-Bücher, und ich bin begeistert: Das ist nun der Weg... Und doch, wie wahr ist nicht das Brauckmannsche Wort: seine Methode kann man besser zeigen als beschreiben. So habe auch ich sein Verfahren voll verstanden erst in Jena, wo ich das Glück hatte, gerade ihn selbst zu meinem Lehrer zu haben..." (1926)

*Zitate aus K. Brauckmann: Absehunterricht nach dem Jenaer Verfahren, Jena 1936

Später sollte dann eine im Bauhausstil zu errichtende Villa oberhalb seiner Wohnung und unterhalb der Schule entstehen. Der erste Bauantrag wurde aber auf Grund einer zunächst zu futuristisch anmutenden Bauplanung nicht genehmigt. Über seine Tochter, Frau Grete Dexel geb. Brauckmann, hatte er nämlich Kontakt zu dem Künstler und Grafiker Walter Dexel. Dieser war wiederum später mit Bauhaus-Künstlern wie Moholy-Nagy, Gropius, Klee und Kandinsky bekannt. Die Privatvilla von Herrn Brauckmann wurde dann 1934 in der noch heute bestehenden Architektur gebaut. Nach dem Tod von Karl Brauckmann diente sie ab 1938 als Erziehungsheim für Diplomatenkinder.

Die erste Wohnung von Karl Brauckmann steht heute noch und das Haus fällt durch seine künstlerische Gestaltung einer Fassade in der futuristischen Art von Walter Dexel dem Betrachter sofort ins Auge (Bild s. Chronik Teil 4 zum Fuchsturmweg).

Die Gipsschlotten im Brauckmannschen Grundstück (phot. Dr. E. Naumann 1908) (aus Erl. Blatt Jena, S.20) Karl Brauckmann (1862-1938) der Entdecker der "Gipsschlotten"! (Bildquelle: "Dexel in Jena" S. 17) Brauckmanns Lehr- und Erziehungsanstalt für gehörleidende Kinder

 


In Jena war Karl Brauckmann von 1903 bis 1909 im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Wenigenjena tätig. Bis 1913 war er dann auf Grund der Eingemeindung von Wenigenjena nach Jena im Jenaer Gemeinderat. Von 1912 bis 1913 war er sogar dessen Vorsitzender. Durch seine Freundschaften mit dem bekannten Jenaer Zoologen Prof. Dr. Ernst Haeckel (1834-1919)und durch seine Aufgeschlossenheit gegenüber von Naturerscheinungen wurde er im Rahmen der Terrassierung seines Schulgrundstückes auf den interessanten Gipsfelsen aufmerksam. Die Gipsschlotten in dem Schulgrundstück wurden freigelegt und anschließend nicht zerstört. Somit blieben sie erhalten. Im Jahre 1908 informierte er darüber den preussischen Landesgeologen, der diese dann im Sommer 1908 fotografierte. Sie wurden dann später in den Erläuterungen zum Blatt Jena im Jahre 1928 und in einem Heft des Thüringer Höhlenvereins von 1931 (Heß v. Wichdorff) abgebildet.

In seiner Heimatgemeinde Holzwickede wurden eine Straße und eine Sonderschule für geistig behinderte Kinder nach ihm benannt.

Ausschnitt aus "Gesamtansicht von Brauckmanns Lehr - u. Erziehungsanstalt" (phot. Dr. K. Brauckmann 1927) - Teilansicht des klassischen Aufschlusses "Übergang" im Bildteil unten (aus Brauckmanns Lehr- und Erziehungsanstalt für gehörleidende Kinder Jena/Thür., S. 4) Erklärung der Gipsschlotten im Brauckmannschen Grundstück (aus Erl. Blatt Jena, S. 21)


Weitere Quellen:

...Infolge Auslaugung durch das Wasser bilden sich mancherorts "Schlotten" (wie im Brauckmannschen Grundstück am Fuchsturmweg...) aus K. Mägdefrau (1940): Der geologische Aufbau der Umgebung von Jena, in Natürliche Grundlagen der Stadt Jena, S. 9

*1) Feodorastraße und Brauckmannsches Grundstück am Fuchsturmweg in Jena, **2) Brauckmannsches Grundstück (s. vor. Anm.)... aus K. Mägdefrau (1. Auflage, 1929): Geologischer Führer durch die Trias um Jena, Verlag von Gustav Fischer Jena, S.10

* ... Feodorastraße und Brauckmannsches Grundstück am Fuchsturmweg in Jena,

** 38) Brauckmannsches Grundstück (s. Anm.36), aus K. Mägdefrau (2. Auflage, 1957): Geologischer Führer durch die Trias um Jena, Verlag von Gustav Fischer Jena , S.11 (*bezieht sich auf den klassischen Aufschluss zwischen sm u. so und ** bezieht sich auf die Gipsschlotten in diesem Grundstück).

Weitere Abbildungen und Erklärungen zu den Gipsschlotten im Brauckmannschen Grundstück finden sich im Heft 6 der Zeitschrift "Die Thüringer Höhlen" auf S.124 von Hess von Wichdorf (1931). Der Autor bezieht sich auf die Erklärungen und Beschreibungen der Gipsschlotten von E. Naumann aus dem Jahr 1928 (Abb. und Text s. auch Lehrpfadbeschreibung).

Auszüge aus "Brauckmanns Lehr- und Erziehungsanstalt für gehörleidende Kinder." Jena (Thür ). S. 5 u. 6-7 von Karl Brauckmann (1927):

Auszüge aus "Brauckmanns Lehr- und Erziehungsanstalt für gehörleidende Kinder." Jena (Thür), 1927

...Unsere Häuser liegen 25 m über dem Saalespiegel, 10 Minuten vom Hausbergwalde, in einem zweieinhalb ha großen Garten, der terrassenartig sich aufbaut, schattige Grotten und geräumige Spielplätze enthält, eine vorzüglich reine Luft, eine prächtige Übersicht über Jena und eine herrliche Fernsicht in das Saaletal und auf die umliegenden Berge und Ortschaften bietet. Mit Fleiß wurde das Grundstück so gewählt, daß es den gehörleidenden Kindern stetige gemütererfrischende Anregung fürs Auge bietet. Mit Freuden beobachten wir denn auch, wie sich bei den Kindern der Sinn für die wechselnden Schönheiten der Natur immer mehr erschließt, wie durch Beobachtungen des Himmels, der Lufterscheinungen, des Tier- und Pflanzenlebens im Garten das Wahrnehmungsvermögen sich schärft, so daß auch kleine Veränderungen ihre Aufmerksamkeit erregen - eine wesentliche Vorbedingung auch für den gedeihlichen Unterricht. ...