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Interessante Auszüge aus S. Passarges Dissertation 1891: "Das Röth im östlichen Thüringen"

Zum Vorkommen von Beneckeia tenuis und zur Tenuisbank

<em>Beneckeia tenuis</em> vom Westhang des Hausberges

Weg von Camsdorf nach Wilhelmshöhe Wasserriß: Beneckeia tenuis auch im tieferen Horizont (selten)

Diese Fundstelle ist heute unbekannt - dafür fand ich im Jahre 2000 ein schlecht erhaltenes Exemplar am Höhenweg im unteren Westhangbereich des Hausberges (Bild rechts).

1 Exemplar bei Eichenberg am Kugelberg (Kahla)
a-Horizont fehlt unmittelbar um Jena (z. Bsp. am Hausberg)
Petrefaktenschalen resorbiert
Je geringer Sterngipse – desto reicher der Fossilinhalt!
Beneckeia tenuis selten aber im Saaletal und an der Unstrut in überraschender Menge: besonders östlich von Kunitz (Wagner beschreibt von dort erste Vorkommen)


Im Zusammenhang mit dem Anlegen einer Baustraße für die Hausbergbebauung konnte im Februar 2015 im Anstehenden direkt die Tenuisbank beobachtet werden. Ein fragmentarischer Fund einer Beneckeia Tenuis bestätigte nun 15 Jahre später das Vorkommen von Beneckeia tenuis erneut im Hausberggebiet. Der neue Aufschluss befindet sich unweit des Lesesteinfundes von 2000.

Lokalisieren der Tenuisbank an der Baustraße am Hausberg (Februar 2015) Neufund von <i>Beneckeia tenuis</i> am Hausberg (Februar 2015) Neufund von <i>Beneckeia tenuis</i> am Hausberg, Gegenstück (Februar 2015)

Zur Fossilführung der Tenuisbank von Drackendorf u.a.

S. 18: Drackendorf: Bei weitem am reichsten ist aber die Tenuisbank bei Drakendorf. Sie ist hier 20-40 cm mächtig und bildet südöstlich vom Dorf den Rand eines vorspringenden Plateaus.... ein Handstück allein zeigt z. Bsp. nicht weniger als fünf  Exemplare, von denen zwei fast vollständig erhalten sind. Wie reich diese Lokalität ist, mag man aus der Bemerkung entnehmen, daß ich einmal bei einem flüchtigen Besuche in einer halben Stunde ein Dutzend dieser Ammoniten sammeln konnte.

Ein fast vollständig erhaltenes Exemplar des Rötammoniten <em>Beneckeia tenuis</em> SEEBACH 3 Exemplare von <em>B. tenuis</em> in unterschiedlicher Erhaltung

 

Auch gut 90 Jahre später konnte ich ähnliche Beobachtungen hinsichtlich Fossilführung und Häufigkeit bestätigen. Die hier vorgestellten Funde aus der Tenuisbank von Drackendorf (auch Bilder 1 u. 2 der Seite "fossilien") stammen alle aus den Jahren von 1983-1986 (jetzt Sammlung Thomas Billert).


Ein sehr gut erhaltenes kleines Exemplar von <em>Beneckeia tenuis</em> Ischium(?) eines Sauropterygiers (?<i>Nothosaurus</i> sp.) - Detail Ischium(?) eines Sauropterygiers (?<i>Nothosaurus</i> sp.)

 

In den letzten zwölf Jahren hatten sich aber die Fundmöglichkeiten erheblich verschlechtert, da das betreffende Feld seit 1990 brach liegt und nicht mehr bearbeitet wird. (C. Linde 12/02). Die Bilder rechts zeigen weitere Funde aus der Fundperiode.


Mein erster Fund von 1983 zeigt besonders gut erhaltene Lobenlinien s/w Aufnahme des gleichen Fossils (Foto: Henninger) Der Fund von Beneckeia (siehe oben) als s/w Aufnahme (Foto: Henninger).


Neue umfangreiche und bemerkenswerte Funde konnten von Mai bis November 2012 im Umfeld der Fundstellen bei Drackendorf durch Herrn Frank Siegel (FU Berlin) in Zusammenarbeit mit Conrad Linde und Thomas Billert gemacht werden. Diese Funde werden derzeit durch Herrn Siegel wissenschaftlich untersucht.

Einige dieser neuen Funde aus dem Jahr 2012 werden im Folgenden hier vorgestellt (weitere Bilder folgen).

Fotos: obere Reihe: Frank Siegel, untere Reihe: Conrad Linde; alle Stücke Sammlung und Präparation: Frank Siegel.

<i>Beneckeia tenuis</i> (1) <i>Beneckeia tenuis</i> (2) <i>Beneckeia tenuis</i> (3) <i>Beneckeia tenuis</i> (4)


Einige Funde vor Ort (Mai/November 2012), das Stück links wurde bereits grob anpräpariert:

<i>Beneckeia tenuis</i> (5) <i>Beneckeia tenuis</i> (6) <i>Beneckeia tenuis</i> (7)



<i>Beneckeia tenuis</i> mit vollständig erhaltener Wohnkammer<br>Fund Juli 2013 <i>Beneckeia tenuis</i> mit vollständig erhaltener Wohnkammer<br>Fund Juli 2013

Bei einer erneuten Exkursion am 06.07.2013 gelang Thomas Billert der Fund einer Beneckeia tenuis aus einem kompakteren Teil der  Tenuisbank. Der Fundzustand ließ auf eine Erhaltung der Wohnkammer schließen, weshalb beschlossen wurde, das Fossil professionell durch Sebastian Brandt (Kornhochheim) präparieren zu lassen.
Die beiden Bilder oben zeigen den finalen Zustand nach 2.5 Stunden Präparationsarbeit mittels Druchluftstichel und Ultraschallmeissel. Die Beneckeia ist vollständig erhalten, möglicherweise bis zum Mundsaum. Die Überlieferung des Phragmokons ist leider nur ungenügend, allein im Bereich nahe des Sipho ist deutlich die typische Sutur erkennbar. Dennoch handelt es sich hierbei um eines der komplettesten bisher geborgenen Exemplare dieses Ammoniten. Fotos: Sebastian Brandt.

Beneckeia tenuis Neufund von Oktober 2015


Noch ein bemerkenswerter Fund in einem bisher nicht beachteten Fundbereich gelang F. Siegel anlässlich einer Exkursion nach Drackendorf Ende Oktober 2015 (Bild links).


<em>Beneckeia tenuis</em> und <em>Natica gaillardoti (gregaria)</em> von Drackendorf (Schnecke)


Weiter Kugelberg nach Eichenberg, Wasserriß Gumperda (heute stark zugewachsen), Altenberga, Göschwitz, Engerda, bei Löberschütz u. Graitschen.

Unstruttal im Katzelbruch (bei Nebra).
Natica gaillardoti (gregaria) von Drackendorf (Schnecke). In neuerer Zeit 1 Exemplar (Bild rechts, jetzt Sammlung Thomas Billert).


Stromatoporoideenfacies der Tenuisbank von Drackendorf (aus K. Walther (1927) Tafel II Abb. 3. u. 3a (unten))

 

 

Stromatoporoideenfacies: südlicher Rand des Plateaus südöstlich von Drackendorf (KALKOWSKI)

Aus K. Walther (1927) Tafel II Abb. 3. u. 3a (unten): Stromatoporoideenfacies der Tenuisbank von Drackendorf (Bild rechts).

Heute leider nicht mehr auffindbar! Vom letzten mir bekannten Fund dieser Stromatoporoideenfacies aus Drackendorf/Lobeda-Ost aus dem Jahre 1983 konnten knapp 3 Jahre später nur noch wenige Reste geborgen werden (Bild unten).


<em>Stromatoporoideenfacies</em> aus Drackendorf/Lobeda-Ost

 

Dieser letzte, glücklicherweise erhalten gebliebene Fund der sogenannten Stromatoporoideenfacies aus der Tenuisbank ist ein kleines Teilstück von ca.13 x 7 cm. Dieses Stück stammt höchstwarscheinlich von dem größeren Block, den ich noch bis 1985 (?) im Bereich der historischen Fundstelle am südlichen Rand des Plateaus bei Drackendorf/Lobeda-Ost liegen sah. Am Original erkennt man sehr deutlich den lagenartigen Aufbau wie bei den historischen Funden von 1927.

...und Altenberga auf Plateau südöstlich nach Greuda zu. Diese Fossilien sehen so ähnlich aus wie die lithothamnienartigen Gebilde aus dem Zechstein.
Beneckeia tenuis nur am Thalstein (KALKOWSKI und WAGNER) 1 Exemplar

Zum Sauriersandstein und zur Muschelbrekzie vom Hausberg (nahe des geologischen Lehrpfades)

...im Sauriersandstein am Hausberg zahlreiche Knochenstücke... S. 23 (Fundstelle heute unbekannt) Muschelbrekzie am Fußweg von Camsdorf zur Wilhelmshöhe in kleinem Steinbruch südlich vom Wege (dieser kleine Bruch ist heute noch am Wege [Thüringenweg] als kleine Einsenkung zu erkennen).

Neu! Seit 2016 Aufschluss 2 b des Ersten Geologischen Lehrpfades von Jena mit oolithischer Muschelbrekzie nach Passarge!

(Siehe Chronik Teil 11)

Anmerkungen/Literatur

Text kursiv und kursiv rot: Originaltext Passarge

 

Die hier zitierte Literatur von S. Passarge wurde am 5. Sept. 2008 durch die Harvard University digitalisiert und wird seitdem von Buchhandlungen in GB und USA als Reprint vertrieben. Diese Literatur (nach der ich schon sehr lange suchte und mir damals, 1991, die hier zu lesenden Textpassagen aus der Originalliteratur herausschrieb) liegt nun vor.

 

 

 

 

Die aktuelle Veröffentlichung zur Fundstelle im Steinkern Heft 25:

Eine historische Fundstelle wird neu belebt – die Tenuis-Bank (Röt, Oberer Buntsandstein, Untertrias) bei Jena-Drackendorf

Autoren: Thomas Billert, Frank Siegel, Conrad Linde

Umfang: 13 Seiten

Kurzbeschreibung:

Für Fossiliensammler ist der Buntsandstein überwiegend eher uninteressant, sieht man von den Fährtenfunden des Chirotheriensandsteins (Mittlerer Buntsandstein) ab. Vollmarine Sedimente können erst wenige Meter unter der Grenze zum Unteren Muschelkalk beobachtet werden. Weniger bekannt ist, dass es – resultierend aus temporären und regional begrenzten oberskythischen Meeresvorstößen – bereits im Röt (Oberer Buntsandstein) geringmächtige Bänke mit einer artenarmen, aber individuenreichen marinen Fauna gibt. Die Autoren widmeten sich diesen Schichten und besammelten intensiv die sogenannte Tenuis-Bank des Röt bei Jena-Drackendorf. Dabei konnten diverse Exemplare des frühen Ceratiten Beneckeia tenuis geborgen werden.