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Bemerkenswerte Fossilfunde aus der Jenaer Region

Tenuisbank von Kunitz (Blatt Jena), aus der Mergelgrube Göschwitz und aus dem Fundgebiet Drackendorf (Blatt Kahla)

Im mehreren Baugruben für Einfamilienhäuser wurde 1999 am östlichen Rand von Kunitz (Blatt Jena) die Tenuisbank (Pelitröt-Folge/Grauer Röt) beobachtet. Es konnten einige sehr schöne Exemplare der sonst relativ seltenen Beneckeia tenuis gefunden werden. Zur Zeit sind nur noch Belegfunde in Steinhaufen möglich. Diese Vorläufer der Ceratiten treten bevorzugt nur im Raum Jena in dieser geologischen Position auf.
Durch neuerliche Freilegungsarbeiten im Bereich des Geotops "Mergelgrube Göschwitz" wurden erstmalig seit der Abböschung Mitte der 60iger Jahre wieder die Basisschichten mit der Tenuisbank freigelegt. Diese sind ebenfalls bekannt durch ihre Fossilvorkommen (siehe Literaturauszug unten).

Weitere Neufunde gelangten im Jahr 2012 Herrn F. Siegel (Berlin), T. Billert (Jena) und C. Linde (Jena) im Zusammenhang mit einer umfangreichen wissenschaftlichen Bearbeitung der Gattung Beneckeia tenuis im Fundgebiet Drackendorf (Bilder siehe hier).

Zum Vorkommen von Beneckeia tenuis in der ehemaligen Mergelgrube Göschwitz (Quelle: H. Seifert „Röt und unterer Muschelkalk bei Göschwitz a. d. Saale“ in  Beiträge zur Geologie von Thüringen Heft 1, 1930 ):
Der Gehalt an Beneckeia tenuis wechselt stark. Er ist auch nicht etwa nur auf eine der 3 Kalkbänke beschränkt. Die Beneckeia kommt nesterweise vor. Man kann stundenlang mit dem großen Hammer die Blöcke zerschlagen und findet kaum eine einzige. Kommt man nach mehreren Wochen wieder, wenn der Abbau des Bruches weiter fortgeschritten ist, dann kann es gelingen, dass man in einer halben Stunde eine große Anzahl der schönsten Exemplare findet. Mir ist ein Stück Tenuisbank bekannt, auf dem neben 2 unvollständigen nicht weniger als 3 vollständig erhaltene Exemplare, teils die Lobenlinie, teils die Kammerscheidenwände gut zeigend, zu sehen sind. Nach meinen bisherigen Feststellungen ist es die westliche Bruchwand, in der sich die meisten Beneckeiennester befinden. Ganz selten findet sich einmal ein Saurierknochen.

Bild 1: <em>Beneckeia tenuis</em> Seeb./so1 (Grauer Röt). Fundort: Drackendorf Bild 2: <em>Nothosaurus mirabilis</em>/Tenuisbank (Grauer Röt/Pelitrötfolge) Bild 3: <em>Beneckeia wogauana</em>, Fundort: Himmelreichsgraben Jena-Lobeda (Spitzberg) Bild 4: <em>Beneckeia buchi</em>, Fundort: Diebeskrippe/Pennickental

Ein sensationeller Beneckeia buchi-Zufallsfund

Ein Zufallsfund besonderer Art gelang mir am 15.06.2012 direkt hinter dem Schulzaun der Nordschule Jena. Eine vollständige Beneckeia buchi vermutlich aus der Oolithbank alpha des Unteren Muschelkalkes (Vermutung wegen der reichen Gastropoden-Begleitfauna) von oberhalb des Nordfriedhofes verfrachtet. Solche Funde sind wahrlich nicht alltäglich im Unteren Muschelkalk der Jenaer Umgebung.

Durchmesser ca. 5 cm. Präparation von Thomas Billert mittels HW10 und Scaler, Einlassen mit STH-100 Polierfluat. Präparationszeit ca. 3 Stunden.

Das Stück befindet sich in der Sammlung Thomas Billert.

Beneckeia buchi im Gesamtblock Beneckeia buchi im Detail


Beneckeia wogauana H. v. Meyer

Der vorigen Art sehr ähnlich. Auch hier drei Loben außerhalb der Projektionsspirale, aber nur 3 bis 5 innerhalb. Die Loben sind jedoch, im Gegensatz zu B. buchi, nur wenig schmaler als die Sättel. Außerdem ist der Nabel schwächer entwickelt als bei der Schwesterform. Die Zuwachsstreifen sind sehr kräftig. Die Form wird schon in den obersten Buntsandsteinschichten (sogenannte Myophorienschichten) Ostthüringens beobachtet (Wogau und Lobeda bei Jena).

 

Weitere Literaturhinweise:

K. Walther "Zwölf Tafeln der verbreitesten Fossilien aus dem Buntsandstein und Muschelkalk der Umgebung von Jena" 1927,  S. 10 Abb. 60 a (Bild rechts).

 

Ein älterer Literaturhinweis:

Palaeontographica 1846 - 1933, Band 10: Dunker, Wilhelm "Ammonites Buchii v. Alb. und Ammonites parcus L. v. Buch aus der Cölestinschicht des Muschelkalks* von Wogau bei Jena" 1851. S. 335-336

* bis 1928 wurden die Myophorienschichten des Röts stratigraphisch zum Muschelkalk gezählt.
Erst NAUMANN stellte diese Abfolge im Interesse einer einheitlichen Grenzziehung dem Röt
(Oberer Buntsandstein ) zu. (s. Erl. Blatt Jena S. 19)


 

 

Bildquelle: Ammonites (Ceratites) Buchii v. Alb. (rechts oben und links unten) aus der Cölestinschicht (Myophorienfolge) des Muschelkalks (oberer Buntsandstein) von Wogau bei Jena (aus der Sammlung von E. E. SCHMID - 1851)

Die beiden hier abgebildeten Beneckeien sind der Unterart Beneckeia wogauana H. v. Meyer zuzuordnen und stellen somit vermutlich die Typlokalität dieser Art dar.

Die Fundstelle ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der Abraumhalden des historischen Coelestinsabbaues oberhalb von Wogau am Jenzigsüdhang.


 

Auszug aus "DIE KOPFFÜSSER DES DEUTSCHEN MUSCHELKALKS"  von  Dr. Hans Claus (1955):

Beneckeia
Ganz eng genabelte, sehr flach scheibenförmige Ammonoideen mit schneidendscharfem Rückenkiel. Skulptur besteht in feinsichelförmiger Sichelstreifung. Die Sutur ist ceratitisch, aber im Gegensatz zu den echten Ceratiten sind die Lobenböden fast nie gezähnelt.

Beneckeia tenuis Seeb.
Schon ab dem untersten Röt bei Jena auftretend. Fundorte: Drackendorf, Kunitz, Göschwitz, Kahla, ... (S. Passarge, 1891: "Das Röth im östlichen Thüringen")

Beneckeia buchi v. Alberti
Scheibendurchmesser bis etwa 60 mm. Auf den Flanken 7 bis 9 Loben, davon 3 außerhalb der Projektionsspirale. Loben viel schmaler als die Sättel. Nabel scharf ausgeprägt; Kiel solide, bis 1 mm hoch. Beneckeia buchi kommt schon im Unteren Wellenkalk vor. Die Art lebt gesellig, manchmal tritt sie sogar in Mengen auf. Sie ist daher als eine der wenigen ganz sicher im Deutschen Muschelkalkbecken bodenständigen Formen zu betrachten.

Beneckeia wogauana H. v. Meyer
Der vorigen Art sehr ähnlich. Auch hier drei Loben außerhalb der Projektionsspirale, aber nur 3 bis 5 innerhalb. Die Loben sind jedoch, im Gegensatz zu B. buchi, nur wenig schmaler als die Sättel. Außerdem ist der Nabel schwächer entwickelt als bei der Schwesterform. Die Zuwachsstreifen sind sehr kräftig. Die Form wird schon in den obersten Buntsandsteinschichten (sogenannte Myophorienschichten) Ostthüringens beobachtet (Wogau und Lobeda bei Jena).

Ein Fund eines seltenen Ammonitenbruchstückes

Bild 5b: Vermeintliches Bruchstück eines <em>Hungarites strombecki</em> Bild 5a: Vermeintliches Bruchstück eines <em>Hungarites strombecki</em>

 

In den 80er Jahren (Funddatum nicht mehr rekonstruierbar - aber vor 1985) gelang mir im Steinbruch "Fränkelsgrund" im Pennickental  ein Fund eines unvollständigen Hungarites strombecki (Bilder 5a/b). Das Stück befindet sich jetzt in der Sammlung F. Siegel (Berlin) und wird von ihm wissenschaftlich bearbeitet.  Neue Bezeichnung: Noetlingites strombecki.

"Hungarites strombecki Griepenkerl: Eine sehr auffällige, bis über 120 mm Scheibendurchmesser erreichende Form von starker Involution. Scheibenzunahme 100:48. Erwachsene Tiere zeigen völlig glatte Flanken, jugendliche Stücke sind kräftig skulpturiert. Unverkennbares Merkmal ist die dachförmig gestaltete Externseite, die sich mit zwei scharfen Kanten gegen die Flanken absetzt. Die Art ist im unteren Wellenkalk Süddeutschlands nicht selten, tritt aber in Mitteldeutschland (Thüringen) nur ganz verstreut auf. Wahrscheinlich war Hungarites strombecki in Süddeutschland wirklich ansässig, während die in übrigen Gebiet gefundenen Stücke als Abenteurer anzusehen sind, die als Einzeltiere lebend in die weiteren Räume des Beckens eindrangen. Merkwürdigerweise erscheint die Gattung Hungarites in den Alpen erst im Oberen Muschelkalk, woraus vielleicht der Schluß zu ziehen ist, daß die Hungariten sich aus ceratitischen Vorfahren im Deutschen Muschelkalk entwickelten und dann rückläufig in die Tethys auswanderten."

 Quelle: Dr. Hans Claus, "Die Kopffüsser des Deutschen Muschelkalkes" - 1955

Weitere interessante Fossilfunde aus dem Jenaer Raum

Bild 6: <em>Saurichtys</em> Oberkiefer, Fundort: Kernbergwesthang

 

Hat man einmal einen guten Tag beim Sammeln, gelingt einem in dem stark verwittertem Hangschutt am Kernbergwesthang auch einmal ein solcher Fund! Dieser Fund stammt auch schon aus den 80-er Jahren. Es handelt sich um einen kleinen "hechtartigen" Fisch.

Bild 7: Zähne von <em>Placodus gigas</em> (Pflasterzahnsaurier), Fundort: Kernbergwesthang (Studentenrutsche)

 

Derartige Funde sind im Bereich der Terebratelbank allerdings nur sehr selten möglich.


<i>Placodus</i>-Greifzahn von Lohma (Terebratelbank) <i>Placodus</i>-Knackzahn von Lohma (Terebratelbank)

 

Rechts zwei neue Funde (April 2015) von Zähnen von Placodus (Knackzahn und Greifzahn) aus der Terebratelbank des Steinbruchs Lohma bei Blankenhain.


Bild 8: <em>Spiriferina fragilis</em> / mo2, Fundort: Jägerberg

 

Vorkommen in der sogenannten Spiriferinabank des mo 2. Heute nur noch in temporären Aufschlüssen am Jägerberg an der Straße nach Rödigen möglich.

Bild 10: <em>Holocrinus wagneri</em> - Massenansammlung winziger Stengelglieder Bild 9: <em>Holocrinus wagneri</em> - Stielfragmente

 

Bild 9: Holocrinus wagneri, welche fünfeckige Stielglieder besitzt. Sie kann dadurch mit Pentacrinus verwechselt werden. Ein seltener Fund vom Heiligenberg, Jena-Zwätzen (Lesestein - Geschenk von I. Löffler)

Bild 10: Holocrinus wagneri als Massenansammlung winziger Stengelglieder vom Kernbergwesthang/Oolithzone

Bild 11: <em>Aspidurella ludeni</em> - ein Schlangenstern aus dem Unteren Muschelkalk

 

Bild 11: Aspidurella ludeni - ein Schlangenstern aus dem Unteren Muschelkalk. Komplette Schlangensterne sind auf Grund des normalerweise nach dem Tode des Tieres auftretenden Zerfalls sehr selten zu finden. Dieser Zufallsfund wurde mitten auf dem Wanderweg, der durch die Diebeskrippe im Pennickental führt (Horizontale), gemacht. Er zeigt hier den unvollständigen fünfarmigen Schangenstern, der nur Dank seines weißen Kalzitskelettes überhaupt erst auf dem feuchten Muschelkalkgeröll entdeckt wurde (Durchmesser ca. 12 mm).
Ein weiterer bemerkenswerter Zufallsfund von Aspidurella ludeni gelang Thomas Billert am Hang der Kunitzburg oberhalb von Kunitz im Herbst 2010. Auf einem größeren Muschelkalkbrocken (ca. 17 kg, Bild 12) neben dem Wanderweg wurde ein Schlangenstern entdeckt (Bild 13, Durchmesser ca. 16 mm). Nach der Bergung des Brockens konnte ein weiteres Fragment eines Sterns ausgemacht werden (Bild 15). Die Handstücke mit den Fossilien wurden mittels Flex aus dem Brocken geschnitten. Auf eine weitere Präparation wurde aufgrund des Verwitterungszustandes der Schlangensterne verzichtet, zumal sie ohnehin schon gut freilagen. Die Stücke wurden zur Erhöhung des Kontrastes einzig mit STH-100 Polierfluat eingelassen (Bild 14).

Bild 12: Muschelkalkbrocken mit den beiden Sternen im Fundzustand Bild 13: <em>Aspidurella ludeni</em>, Fundort: Wanderweg zur Kunitzburg Bild 14: Der erste Schlangenstern auf Handstück nach dem Einlassen Bild 15: Der zweite Schlangenstern

Ein Nautilus vom Jenzig

Am 28.12.2012 fand Thomas Billert am großen Aufschluss in der Kurve der Straße zum Jenzighaus (also im Bereich der Oolithzone) ein Germanonautilus-Fragment. Es wurde noch am gleichen Abend mittels Druckluftstichel HW60 und HW10 präpariert.

Es stellte sich letzlich als Phragmokon heraus, die Wohnkammer fehlt, wie es oft der Fall ist. Die Innenwindungen waren bereits stark erodiert und wurden chemisch stabilisiert. Auch wenn dieser Fund verglichen mit dem Erhaltungszustand der Fossilien aus anderen Zeitaltern eher ein "hässliches Entlein" ist, löste er doch große Freude aus. Solche Funde sind im Unteren Muschelkalk immer Besonderheiten.

Die obere Bildreihe zeigt den Nautlius im Fundzustand, die untere Reihe nach der Präparation.

Bild 16: Nautilus vom Jenzig im Fundzustand (1) Bild 17: Nautilus vom Jenzig im Fundzustand (2) Bild 18: Nautilus vom Jenzig im Fundzustand (3) Bild 19: Nautilus vom Jenzig im Fundzustand (4)
Bild 20: Nautilus vom Jenzig nach der Präparation (1) Bild 21: Nautilus vom Jenzig nach der Präparation (2) Bild 22: Nautilus vom Jenzig nach der Präparation (3) Bild 23: Nautilus vom Jenzig nach der Präparation (4)

Aktuelle Funde von Beneckeia buchi am Jenzig

Im Juli 2015 fand Thomas Billert am Hang des Jenzig ein recht gut erhaltenes Exemplar von Beneckeia buchi. Das Stück befand sich im Geröll unmittelbar unterhalb der Zone der Oolithbänke. Leider kann die Stratigraphie des Fossils nicht genauer bestimmt werden.

Professionell präpariert wurde die Beneckeia im Oktober 2015 von Sebastian Brandt, Kornhochheim (www.reco-brandt.com).

Bild 25: <i>Beneckeia buchi</i> vom Jenzig im Fundzustand Bild 26: <i>Beneckeia buchi</i> vom Jenzig nach der Präparation